Sie entsteht, wenn die Kommunikation im Change zu langsam läuft.
Ein Fall aus unserer Beratungspraxis: Wir teilen ihn, weil viele Organisationen in laufenden Change- und Strategieprozessen genau an dieser Stelle festhängen und weil ein paar einfache, konsequente Verschiebungen oft mehr bewirken als die nächste Kommunikationskampagne.
Die offiziellen Mitarbeiter-Informations-Kanäle sind gut aufgestellt: Intranet-Beiträge sind gepflegt, Mails sind sauber formuliert, die Slides sehen gut aus. Offizielle Informationen zu Change- und Strategie-Zwischenständen kommen an. Und verlieren trotzdem oft an Kraft und Wirkung! Es scheint immer wieder so zu laufen: Kaum ist eine Botschaft draußen, hört man einem Satz wie: „Das haben die doch schon vor Monaten so geplant.“ Oder: „In Wahrheit ist es ganz anders.“
Es entsteht eine zweite Realität: die Schattenorganisation. Nicht als Gegenbewegung, eher als Nebenprodukt. Wer in Unsicherheit arbeitet, sucht nach einem Bild, das handlungsfähig macht. Und wenn offizielle Kommunikation spät kommt oder so poliert ist, dass sie keine Reibung zulässt, füllt das System die Lücken selbst: mit Deutungen, Gerüchten, Rückwärtsrechnungen.
Verstärkt wird das durch den Takt: Die Strategiegruppe erarbeitet Zwischenstände, feilt daran, stimmt ab, bereitet kommunikativ auf … und erst dann wird veröffentlicht. Das Ergebnis ist hochwertig, aber zeitversetzt. In der Zwischenzeit läuft das informelle Netz schon längst auf Hochtouren.
Das System würde einen wesentlichen Fortschritt erzielen, wenn… der Anspruch an perfekte, „rund“ gemachte Change-Kommunikation sinkt und stattdessen häufiger, früher und sichtbar unperfekt über den laufenden Strategie- und Changeprozess kommuniziert wird.
Informelle Netzwerke sind keine Störung, sondern ein Frühwarnsystem: Sie zeigen an, wo ein Vakuum entsteht. Und dieses Vakuum entsteht vor allem dann, wenn offizielle Kommunikation zu spät oder zu glatt ist: Sie beantwortet Fragen, die niemand mehr stellt und umgeht die, die gerade wirklich im Raum stehen.
Wir arbeiten mit einem Prinzip, das intern schnell einen Namen bekommen hat: radikale Transparenz: Nicht im Sinne von „alles raus“, sondern als konsequente Praxis, Zwischenstände und Unsicherheiten mitzuteilen, bevor Spekulationen sie füllen.
Konkret umfasst das mehrere Bausteine:
Die Wirkung zeigt sich weniger in „ruhigen Fluren“ als in einem spürbaren Shift: Offizielle Kanäle gewinnen Glaubwürdigkeit, weil sie nicht mehr so tun, als sei alles klar und weil sie schneller im Takt des laufenden Strategie- und Changeprozesses sind. Das reduziert Spekulationen, nicht weil Menschen plötzlich weniger reden, sondern weil das Vakuum kleiner wird.
Das System beruhigt sich, sobald es merkt: Hier wird nichts versteckt. Und auch unfertige Strategien und Zielorganisationen werden kommuniziert und legen schon mal eine Spur hin zu einer erwünschten Zukunft!Und wenn etwas offen ist, wird das offen gesagt, gleich mit einem nächsten Datum.


