… zum Du … (Teil 2)



  • Die Beobachtungen über das „Ich“ und dessen verzagtes Erscheinen in Meetings und Projektsitzungen haben unmittelbar Auswirkungen auf das Miteinander,
    die Begegnung im „Du“: Wo keiner wirklich Meinung hat, eine starke Position äußert, gibt es auch keine Verschiedenheit der Meinungen, keinen Konflikt im weiteren Sinne.
  • Scheinbare Konfliktlosigkeit kann ein durchaus angenehmes, oft aber auch trügerisches Gefühl sein, denn die zur persönlichen Weiterentwicklung notwendige Reibung entsteht nicht. 
    Das „sich heraushalten“, das "sich enthalten“  als dominantes Gesprächsmuster, hat eine Energielosigkeit und Unverbindlichkeit in der Begegnung der Personen zur Folge - sie sind im Sinne des Wortes „unverbunden“.
  • Über die Auswirkungen dieses kraftlosen Musters auf die Innovationskraft des gesamten Organisations-Systems werde ich später eingehen.
  • An dieser Stelle geht es mir darum, dass unter der Unverbindlichkeit und der geringen Intensität in der direkten Begegnung der Menschen im beruflichen Kontext ihre Fähigkeit leidet, einander eindringliches und wirkungsvolles direktes Feedback zu geben. 
  • Anerkennung für sowie Widerspruch zur eigenen Position ist dadurch nur sehr indirekt erfahrbar, muss vermutet oder erahnt werden. Insbesondere je höher Menschen in einer betrieblichen Hierarchie sind, ist allein schon diese Stellung ein häufiger Feedback-Filter-Verhinderungs-Mechanismus: Die Möglichkeit zur fortgesetzten Selbst-Täuschung ist damit ein eingebauter Teil unserer hierarchischen Systeme.
  • Gerade in Unternehmen, in denen es jahrelange Übung in patriarchalischen Verhaltens- und  Entscheidungsmustern gibt, kommt es in Kombination mit entsprechenden Persönlichkeits-strukturen zu einer teilweise massiven Diskrepanz zwischen Selbstbild und Fremdbild.
  • Dabei: Das eigenen Selbst entsteht erst und wird klarer durch den Spiegel der anderen: "der Mensch wird am Du zum Ich (Martin Buber, Ich und Du (1923) In: Das Dialogische Prinzip. Verlag Lambert Schneider: 4. Aufl. Heidelberg 1979)
  • Das bedeutet, dass die Tapferkeit vor dem Freund eigentlich in unserem ureigenen Interesse als Mensch liegt: nur in der Begegnung und Auseinandersetzung mit anderen verstehen wir uns selbst besser.
  • Deshalb: nur Mut zur kultivierten Streiterei - sie hilft allen.

Herzliche Grüsse

Thomas Huber

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