Mergers, Joint Ventures und andere Kooperationen

Wie schön war alles gedacht: die Akquisition war fast in trockenen Tüchern und sollte den Zugang für den skandinavischen Markt eröffnen. Kurz vor Vertragsunterzeichnung ging es dann leider schief und der Vertrag wurde nicht unterzeichnet - irgendwie hatte es Störungen gegeben ...

Anderer Fall: ein deutscher Mittelständler mit 3000 Menschen kauft im Ausland ein kleines Designer-Büro dazu, um Zugang zum „dernier cri“ zu bekommen und die eigene, interne Produktentwicklung zu forcieren.
Da hat man sie nun, die „asymmetrische Beziehung“:

  • hier die Wucht ausgefeilter deutscher Systematik und Prozessbeherrschung - dort eine 30 Mann-Bude mit einer völlig anderen Geschichte, Kultur,- einer völlig anderen internen „Unternehmens-Mechanik“ und anderem Selbstverständnis; 
  • hier: der Anspruch an „Unterwerfung“ und Anerkennung der Dominanz - dort das Bestreben nach Erhaltung der eigenen Identität und Autonomie im (wenigstens im wesentlichen) Vorgehen;
  • hier das Pochen auf gefällige Erfüllung der ja wohl berechtigten Anforderungen - dort das zum Teil blanke Unverständnis gegenüber diesen Erwartungen. 

Das Beharren auf den inhaltlichen Positionen und die vollautomatische und ausschliessliche Fokussierung auf die sachlichen Themen entfernt die Beteiligten weiter voneinander. 

Die Lösung vieler Kooperationsversuche liegt in einem völlig anderen Rollenverständnis der Protagonisten und einer deutlich anderen inneren Haltung: es wäre hilfreicher, wenn sich alle Beteiligten in dieser frühen und besonders sensiblen Phase einer geschäftlichen Kooperation viel stärker als Beziehungs-Ingenieure verstehen würden,- als eine Gruppe, deren gemeinsame Verantwortung es ist, eine solide und tragfähige Beziehung zu den jeweils Anderen herzustellen. 

Dieser Teil der Kooperation ist das zu Gestaltende, das Vehikel, auf dem alle anderen vertraglichen, ergebniswirksamen, sachlichen Entscheidungen aufbauen.

Dieser Teil der Verantwortung hat in der frühen Geschäftsbeziehung genau die gleiche, wenn nicht noch größere Bedeutung als der vertraglich/sachliche Anteil - und die Fähigkeit zur erfolgreichen Beziehungsgestaltung sollte ausdrücklich als Qualifikation in das Anforderungsprofil dieser Pioniere von Kooperationen eingehen. 


Herzliche Grüsse

Thomas Huber