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Sechs Thesen zur zukünftigen Entwicklung von Organisations-Beratung


Sechs Thesen zur zukünftigen Entwicklung von Organisations-Beratung

These 1: Auch Strategie- und Change Management Beratung wird „hybrid“

Eindeutig wird sich das Rad nicht mehr zurückdrehen: die Chancen, die in der Digitalisierung stecken, werden nicht mehr nur „erahnt“, sondern von unseren Kunden handfest ergriffen; sogar skeptische und strukturell eher langsame Systeme (wie z.B. öffentliche Verwaltungen) zeigen Offenheit und stellen beherzt auf verbesserte Infrastrukturen um: Große Online-Veranstaltungen und kleine Remote-Workshops sind mittlerweile tägliche Praxis. Die Einsparungen an Geld und Reisezeit sind ein ausschlaggebendes Argument.

These 2: Beratungsformate verändern sich stark

Selbst die Präsenzformate, die in social distancing Rahmenbedingungen noch möglich sind, verlieren dauerhaft ihren intensiven und intimen Charakter: Die Corona-Maske behindert Viren ebenso wie die Wahrnehmung von Micro-Mimik und Intuition.

Die Online-Formate werden zwangsläufig kürzer als die alten 2-Tages-Workshops: Es ist eine sehr saubere Didaktik und Prozessplanung, -Steuerung erforderlich, um in kürzeren Online-Sessions sachlich richtig gute Ergebnisse und gleichzeitig stimmige emotionale Prozesse zu bewerkstelligen. Und nur damit können wir in Zukunft noch einen wahrnehmbaren Mehrwert beisteuern, wenn der früher eher beiläufige, aber nun schmerzhaft vermisste emotionale und gruppendynamische Zusatznutzen von persönlichen Begegnungen schon wegfällt.

These 3: Die großen Beratungen drücken massiv in den Mittelstand

Große Beratungen sind aufgrund ihrer großen Ressourcen leichter in der Lage, Ihr zukünftiges Portfolio auf Online-Plattformen und -Formate umzustellen. Sie nutzen diesen Vorteil, um methodisch einwandfreie, standardisierte Produkte in einer sehr ansprechenden Optik mit viel Marketing-Power schnell zu platzieren. 

Zusätzlich werden digitale Prozessautomatisierungen und KI noch stärker genutzt, um Big Data zu generieren: Effekte von Struktur- und Kulturveränderungen werden somit „in Echtzeit“ betrachtbar und „steuerbar“.

Beide Strömungen werden noch deutlich an Dynamik und Geschwindigkeit  zulegen.

These 4: Den Kunden wird der Qualitätsunterschied immer weniger auffallen

Der von (uns) kleinen Beratungen lange Zeit behauptete Qualitätsvorsprung unserer Arbeit (aufgrund hoher Individualisierung und auch emotionaler Tiefe des Herangehens) wird immer mehr Kunden immer weniger als Verlust erscheinen: Die Ergebnisse, die wir durch systemisches und psychologisch fundiertes Vorgehen auf der emotionalen und Akzeptanz-Ebene ohne Zweifel vorweisen können, verlieren bei zunehmender Ökonomisierung, Digitalisierung und eilender Transformationsgeschwindigkeit an Gewicht. Und immer mehr dominieren schon jetzt Perspektiven, die sehr viel Wert auf methodische und inhaltliche Qualität legen, aber weniger Bedeutung (und Ressourcen) auf Sorgfalt im Umgang mit emotionalen Bedürfnissen bei Strategie- und Transformationsprozessen.

These 5: Plattformen - oder Netzwerk?

Wie schon im Bereich des Individual-Coaching werden vermutlich bald Plattformen auftauchen, auf denen wir Berater gegen einen kleinen Obolus unsere Dienstleistungen anbieten sollen. Gekoppelt mit These 4 wird die Grenze zur „Ware“ noch unschärfer, die scheinbare „objektive Vergleichbarkeit“ nimmt zu. 

Spannend wird, ob sich künftig ein „Consulting-Amazon“ entwickelt oder es statt dessen gelingt, ein kooperatives „Beratungs-Etsy“ aufzubauen, in das alle individuell investieren, um als großes Ganzes zu prosperieren.

Ein gutes Beispiel für ein funktionierendes Netzwerk ist das Institut für systemische Beratung in Wiesloch - in Haltung und Kooperationsverhalten ein sehr wünschenswerter  Gegenentwurf zu einer „Plattform“.

These 6: „Wer, wenn nicht wir … Kleinen?“

Mir scheint, dass wir als kleine Beratungsunternehmen in Zukunft nur noch dann eine eigenständige Rolle im Gesamtmarkt spielen werden, wenn wir uns 

1) im Aussenauftritt und auf Social Media-Plattformen noch professioneller verhalten; 

2) verstärkt „Vernetzung“ in Anbieter- und Leistungsgemeinschaften realisieren;

3) unser individuelles Portfolio vervielfachen durch offensiven Austausch untereinander und 

4) unsere inhaltlichen Angebote konsequent digital ausbauen / weiterentwickeln.

These 7: Die Zeit dazu wäre … jetzt!

Sehr gerne würde ich dazu eure Sicht und Haltung verstehen … fühlt euch zur Diskussion eingeladen.

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